Rudern in Hamburg – Leichtgewichts-Zweier ohne

Jul 31 2012

Beitrag von Bastian

Hamburger Abendblatt – Mit dem Zwilling fährt man besser

In neuer Besetzung und neuem Boot kämpfen Bastian Seibt und Lars Wichert heute ums Ruderfinale

 

DORNEY. Auf den letzten Schlägen spürte Bastian Seibt den Schmerz nicht mehr. Er konnte die 25 000 Zuschauer auf den Tribünen hören, wie sie klatschten und schrien, und er sagte sich: Die machen das für mich. Das war zwar nicht ganz richtig. Es war der britische Leichtgewichtsvierer ohne Steuermann, der das Publikum am Dorney Lake in Wallung brachte. Aber darum kümmerte sich der 34-Jährige vom Hamburger und Germania-Ruder-Club nicht: “Wir haben uns von der Stimmung auf den letzten 250 Metern einfach ins Ziel tragen lassen.”

Seibt, sein Hamburger Partner Lars Wichert vom RC Allemannia sowie die Saarbrücker Zwillinge Jochen und Martin Kühner glitten schließlich hinter dem Gastgeberboot und Weltmeister Australien auf dem dritten Platz durchs Ziel. Das reichte gerade, um sich ohne Umweg für das heutige Halbfinale zu qualifizieren (13.40 Uhr).

In diesem Moment wusste Uwe Bender, dass ihn sein Gefühl nicht getrogen hatte. Nachdem sein Boot beim Weltcup in Luzern Ende Mai trotz einer technisch und taktisch tadellosen Leistung nicht über Platz zwei im B-Finale hinausgekommen war, entschloss sich der Bundestrainer zu zwei radikalen Wechseln: Er versetzte Schlagmann Wichert, den individuell leistungsstärksten Mann, auf Position zwei vor seinen Zweierpartner Seibt. Und er ließ die Mannschaft in ein Boot der Hightech-Sportgeräteschmiede FES umsteigen: mit einem etwas anderen Wasserlinienriss und einer sogenannten Zwillingsriggerung, bei der die beiden Mittelleute zur gleichen Seite rudern.

 

Nur sechs Wochen Zeit blieben bis zum olympischen Vorlauf am Sonnabend, um sich und das neue Material aufeinander abzustimmen. Aber schon nach den ersten Trainingsfahrten und Testduellen mit dem schweren Vierer ohne wähnte sich Wichert auf dem richtigen Kurs: “Man hat gleich gemerkt, dass die Umbesetzung gefruchtet hat. Der Schlag kommt besser durchs Boot.”

 

Für Wichert, 25, war die Umstellung am größten. Er gehörte als Einziger nicht schon 2008 in Peking zur Besatzung. Bereits damals war das FES-Boot im Einsatz und Martin Kühner der Schlagmann. Der deutsche Leichtgewichtsvierer galt als Medaillenkandidat – und konnte nach dem Vorlaufsieg nicht mehr antreten, weil drei der vier Mannschaftsmitglieder kurzfristig erkrankt waren.

 

Vier Jahre später geht es der Mannschaft gesundheitlich sehr gut. Nur wird das Boot, das vor drei Jahren noch Weltmeister war, nach dem verhaltenen Saisonverlauf nicht mehr zu den Favoriten gezählt. Beim ersten Weltcup Anfang Mai in Belgrad hatte man zwar noch das A-Finale erreicht, es aber abgeschlagen auf dem sechsten Platz beendet. Das letzte vorolympische Kräftemessen mit der Weltelite Mitte vergangenen Monats in München strich Bender aus dem Terminplan und ordnete verstärktes Training an.

 

Ein erneuter dritter Platz heute, und sein Boot wäre für das Finale am Donnerstag qualifiziert. Der Vorlauf hat den Saarbrücker Bundestrainer seine Zuversicht wiederfinden lassen: “An den Briten gibt es kein Vorbeikommen, sie sind der große Goldfavorit. Dahinter jedoch kann jeder jeden schlagen.”

Im Leichtgewichtsrudern sind die Leistungsunterschiede ohnehin meist nur in Zehntelsekunden messbar. Bei Olympia umso mehr, als der Vierer die einzige Riemenbootsklasse im Wettkampfprogramm ist. “Da spielen Details eine Rolle”, sagt Bender.

 

Am Ende könnte nicht nur die physische, sondern auch die Einbildungskraft entscheiden.

leo

 
 
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